Die Moderne Monetäre Theorie (MMT) hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt – sowohl als Hoffnungsträger für progressive Wirtschaftspolitik als auch als Zielscheibe scharfer Kritik. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Gegenargumente und zeigt, wie MMT-Vertreter darauf reagieren.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Befürchtung, dass eine Politik nach MMT-Prinzipien – also hohe Staatsausgaben, finanziert durch Geldschöpfung – unweigerlich zu Hyperinflation führt. Kritiker wie Larry Summers oder Paul Krugman warnen, dass die Vernachlässigung von Haushaltsdisziplin langfristig das Vertrauen in die Währung untergräbt.
MMT-Antwort: MMT betont, dass Inflation nicht automatisch durch Staatsausgaben entsteht, sondern durch ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Solange es ungenutzte Ressourcen (z.B. Arbeitslosigkeit, freie Produktionskapazitäten) gibt, können höhere Staatsausgaben die Wirtschaft ankurbeln, ohne Inflation zu erzeugen. Erst wenn die Wirtschaft an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, müssen Steuern oder andere Maßnahmen die Nachfrage drosseln.
Quelle: Krugman, Summers, Kelton (2022)
Kritiker argumentieren, dass MMT zwar behauptet, Staaten könnten sich in ihrer eigenen Währung nicht „pleite“ gehen, aber dabei die physischen Grenzen von Rohstoffen, Umwelt und Arbeitskraft vernachlässigt. Wenn der Staat zu viel Geld für zu wenige Güter ausgibt, drohen Engpässe und Preissteigerungen.
MMT-Antwort: MMT erkennt diese Grenzen an und betont, dass Geldpolitik immer im Kontext der verfügbaren Ressourcen betrachtet werden muss. Der Fokus liegt darauf, ungenutzte Kapazitäten zu mobilisieren – nicht darauf, künstliche Knappheit zu ignorieren.
Quelle: Monneta, Kelton (2020)
Konservative Ökonomen wie John Cochrane bezeichnen MMT oft als „magisches Denken“ oder „linkes Wunschdenken“, das die Realität der Märkte und die Gefahr von Staatsverschuldung ignoriert. Sie argumentieren, dass MMT keine solide theoretische Grundlage habe, sondern nur als Rechtfertigung für höhere Staatsausgaben diene.
MMT-Antwort: MMT versteht sich als deskriptive Theorie, die erklärt, wie moderne Geldsysteme tatsächlich funktionieren – nicht als normative Agenda. Die Empfehlung, Staatsausgaben an realen Bedürfnissen und nicht an willkürlichen Schuldengrenzen auszurichten, basiert auf der Analyse der Geldschöpfung durch Staaten und Zentralbanken.
Quelle: Cochrane (2020), Kelton (2020)
In der Eurozone können einzelne Staaten keine eigene Geldpolitik betreiben, da sie den Euro als gemeinsame Währung nutzen. Kritiker sagen, MMT sei hier nicht anwendbar, weil Staaten wie Griechenland oder Italien nicht einfach „Geld drucken“ können, um ihre Schulden zu bedienen.
MMT-Antwort: MMT erkennt diese Einschränkung an und schlägt vor, dass die Eurozone entweder eine gemeinsame Fiskalpolitik entwickeln oder den Mitgliedstaaten mehr Spielraum für nationale Geldpolitik geben muss. Alternativ könnte ein „Europäischer Finanzminister“ mit eigenem Budget geschaffen werden.
Quelle: Roberts (2022)
Die Kritik an MMT ist vielfältig und reicht von inflationären Befürchtungen bis hin zu grundsätzlichen Zweifeln an der theoretischen Fundierung. MMT-Vertreter betonen jedoch, dass viele dieser Kritikpunkte auf Missverständnissen beruhen – etwa der Annahme, MMT fordere „unbegrenzte“ Staatsausgaben. Tatsächlich geht es um eine realistische Analyse der Möglichkeiten und Grenzen moderner Geldsysteme.
Die Debatte bleibt spannend – und zeigt, wie wichtig es ist, wirtschaftliche Theorien nicht nur theoretisch, sondern auch in ihrem politischen und historischen Kontext zu diskutieren.